Pressemitteilung vom 22. Mai 2026

LSV will Naturschutzgebiet „Ententeich“ erhalten

Landschaftsschutzverein: Walberberg durch Erweiterung betroffen

Karte Karte mit Abbildungsbeschriftung der Naturschutzgebiete „Ententeich“ (Brühl), „Berggeistweiher“ und „Villewälder bei Bornheim“ (beide Bornheim)

In Bornheims Nachbarstadt Brühl neigt die Ratsmehrheit dazu, dem Phantasialand eine massive Vergrößerung seiner Fläche in direkter Nachbarschaft zum Bornheimer Stadtgebiet zu ermöglichen. Der Vergnügungspark will im angrenzenden 14 ha große Naturschutzgebiet ´Ententeich` ein Aquapark-Hotelresort, eine Theater- und Konzerthalle sowie die notwendigen Parkplätze errichten.

Der LSV-Vorsitzende Dr. Michael Pacyna befürchtet „eine komplette Zerstörung des Naturschutzgebiets bei Realisierung dieser Pläne. Das Areal grenzt unmittelbar an den Bornheimer Stadtteil Walberberg. Auf die Walberberger und die auf Bornheimer Stadtgebiet liegenden Naturschutzgebiete dürften dann erhebliche zusätzliche Lärm-, Licht- und Verkehrsbelastungen zukommen.“

Das Naturschutzgebiet mit dem 2 ha großen Gewässer ist ein ökologisch hochwertiger Lebensraum mit mit breiten Röhrichtzonen als Schutz- und Brutraum, Sumpf – und Bruchwald sowie naturnahem altem Buchenwald mit hoher Artenvielfalt. Eisvögel, mehrere Spechtarten, Amphibien, Insekten, Wasserpflanzen und viele weitere Arten finden hier einen Rückzugsraum. Der Forstwissenschaftler Martin Koch aus dem LSV-Vorstand stellt fest: „Das Naturschutzgebiet Ententeich ist kein beliebiges Stück Grünfläche. Es ist ein gewachsener Naturraum, ein Teil der Ville–Seen–Landschaft und ein wichtiger Baustein im Biotopverbund. Wird dieses Gebiet zerstört, verlieren wir nicht nur ca. 15.000 Bäume, sondern einen wertvollen Lebensraum.

Der LSV auf der Kundgebung am 18. Mai in BrühlDer LSV auf der Kundgebung am 18. Mai in Brühl: v.l.n.r. die Vorstandsmitglieder Norbert Brauner, Dirk Lindemann, Rolf Tüschen und Michael Pacyna© Barbara Tüschen

Am 18. Mai demonstrierten bei strömendem Regen etwa 300 Umweltschützer vor dem Brühler Rathaus, darunter auch zahlreiche Bornheimer, für den Erhalt des Naturschutzgebietes. Das Thema stand auf der Tagesordnung des Brühler Rates.

LSV-Vize Norbert Brauner erklärte in einer feurigen Rede unter großem Applaus der Teilnehmer der Kundgebung die Solidarität des Bornheimer Landschaftsschutzvereins. „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Ville klaut“ war einer der lautstark vorgetragenen Slogans der Umweltschützer.

Der Einsatz für das Naturschutzgebiet zahlte sich offensichtlich aus. In der Einwohnerfragestunde zu Beginn der Ratssitzung empörten sich viele Bürger, dass ein Naturschutzgebiet privatwirtschaftlichen Interessen geopfert werden soll. Bisher wohl bundesweit ein einmaliger Fall. Der Rat vertagte daraufhin die Entscheidung. Der „Ratsausschuss für Planung und Stadtentwicklung“ soll sich dann weiter mit der Problematik beschäftigen.

Das Phantasialand hat trotz Forderungen der Bürger seine genauen Pläne noch nicht offengelegt. „Sobald eine Offenlage des Bebauungsplans vorliegt, wird der LSV nach dem Umwelt-Rechtsbehelfegesetz eine ausgefeilte Stellungnahme in das Verfahren einbringen“, kündigt der Jurist Dirk Lindemann vom Bornheimer Landschaftsschutzverein an.

In Brühl wird außerdem ein Bürgerbegehren für den Erhalt des Naturschutzgebietes von den dortigen Initiativen vorbereitet.